Zu viel des Guten – Fahrradstau in Kopenhagen

Fahrradhauptstadt: Immer mehr Kopenhagener treten regelmäßig in die Pedale.

Fahrradhauptstadt: Immer mehr Kopenhagener treten regelmäßig in die Pedale.

Wir schreiben das Jahr 2017. 200 Jahre nachdem Karl Drais das Laufrad erfunden hat, haben wir es heute mit damals undenkbaren Auswirkungen dieser bahnbrechenden Erfindung zu tun. Auf den Straßen der Fahrradstädte Europas stauen sich nicht mehr die Autos, sondern die Fahrräder.

Bestes Beispiel hierfür ist Europas Fahrradhauptstadt Kopenhagen. Mit dem Ausbau ihres Radwegnetzes und der stetigen Verbesserung der Bedingungen für Fahrradfahrer im Straßenverkehr hat die Stadt es geschafft, dass mehr Menschen ihre täglichen Wege mit dem Rad zurücklegen, als mit dem Auto. Gerade mal 40 % der Dänen sind überhaupt noch Besitzer eines PKW’S. Für Umwelt und Gesundheit der Bürger ist das zweifellos ein riesiger Erfolg. Jetzt jedoch erntet insbesondere die Fahrradhauptstadt Kopenhagen die Früchte dieses Erfolgs: Zu Stoßzeiten werden die breiten Radwege  Kopenhagens dreispurig befahren, Drahtesel reihen sich dicht an dicht, bis zu vier Ampelphasen müssen abgewartet werden, bis ein Radler über eine Kreuzung gelangt. Kurz gesagt: nur im Schneckentempo geht es voran. Statistiken zufolge setzt der Kopenhagener jedoch insbesondere auf das Velo, damit er schneller an sein Ziel gelangt. Jetzt muss die Stadt handeln. Noch breitere Radwege, noch mehr Stellplätze und auf Biker angepasste Ampelphasen sollen die Lösung sein.

Testphase intelligenter Tafeln zur Fahrradverkehrsführung

Auch will die Stadt nun intelligente Tafeln aufstellen, mit deren Hilfe sie versucht, die Staus zu vermeiden. Anhand roter und grüner Pfeile auf der Tafel, erkennt der Fahrradfahrer, an welchen Stellen der Stadt es sich derzeit staut und auf welche Nebenstraßen er eventuell ausweichen könnte. Die Nørrebrogade, „Lieblingsfahrradstraße“ der Kopenhagener, die teilweise schon komplett für Autofahrer gesperrt wurde, ist erster Teststandort für diese digitalen Hinweisschilder. Weitere vier Tafeln sollen bald an anderen, besonders stark befahrenen Straßen folgen.

Als langfristige Lösung reicht dies jedoch nicht. Es handelt sich hierbei lediglich um einen ersten kleinen Schritt in die richtige Richtung. In erster Linie möchte die Stadt durch diese Tafeln und weitere Messungen herausfinden, ob die Kopenhagener überhaupt bereit sind, alternative Routen auszuprobieren. Das Problem wirklich bei der Wurzel packen, würde natürlich nur die Bereitstellung von noch mehr Platz für die Zweiräder, wie oben bereits beschrieben.

Noch weniger Autos in Dänemarks Hauptstadt?

Was damals als Statussymbol für Erfolg und Wohlstand galt, wird heute von vielen Kopenhagenern als Symbol für Faulheit bewertet: Das Auto.
Längst hat sich in Dänemarks Hauptstadt ein so großer Trend um das Zweirad gebildet, dass es schlichtweg „uncool“ ist, irgendwo mit dem Auto anzureisen. Und lässt man die aktuellen Zahlen sprechen, denen nach es wesentlich mehr Radler als PKW-Fahrer in Kopenhagen gibt, wird sicherlich bald noch mehr zu Gunsten des Radverkehrs ausgebaut. Aber wieso auch nicht, denn schließlich gibt es zum Beispiel mit dem Lastenrad tolle Möglichkeiten zum Transport von Einkäufen und schwereren Gegenständen, sowie für die kalten Monate entsprechende Bekleidung, sodass man nur wenig auf das Auto angewiesen ist.
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Bildquelle: Fotolia

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